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Erneuerbare Kraftstoffe: Dänisches E-Methanol zeigt industrielle Skalierbarkeit

Juni 09, 2026

In Kassø produziertes E-Methanol wurde kürzlich erfolgreich zu synthetischem Benzin weiterverarbeitet. Das Benzin ist kompatibel mit bestehenden Infrastrukturen und Fahrzeugflotten.

Die regulatorischen und technologischen Voraussetzungen für den Hochlauf erneuerbarer Kraftstoffe in Europa entwickeln sich zunehmend vom Zukunftsszenario zum industriellen Markt.

Mit der Umsetzung der europäischen RED-III-Richtlinie in deutsches Recht setzt Deutschland erstmals verbindliche Nachfragevorgaben für RFNBOs (Renewable Fuels of Non-Biological Origin) und schafft damit langfristige Planungssicherheit für Investoren, Industrie und Projektentwickler.

Parallel dazu zeigt die kommerzielle Power-to-X-Anlage von European Energy in Kassø/Dänemark bereits heute, wie erneuerbare Moleküle industriell produziert und in bestehende Wertschöpfungsketten integriert werden können: Das dort produzierte RFNBO-zertifizierte E-Methanol wurde kürzlich erfolgreich zu synthetischem Benzin weiterverarbeitet. Das Benzin ist kompatibel mit bestehenden Infrastrukturen und Fahrzeugflotten.

Verbindliche Nachfrage schafft Investitionssicherheit

Mit dem Zweiten Gesetz zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungs-Quote verpflichtet Deutschland künftig verschiedene Industrien im Verkehrssektor zur Nutzung steigender Mengen erneuerbaren Wasserstoffs und RFNBO-basierter Kraftstoffe.

Die verpflichtenden Quoten steigen von 0,1 Prozent im Jahr 2026 über 1,5 Prozent bis 2030 und 6,0 Prozent bis 2036 auf bis zu 10 Prozent im Jahr 2040. Insbesondere Raffinerien erhalten damit einen klar definierten regulatorischen Rahmen für den Einsatz erneuerbarer Moleküle in der Kraftstoffproduktion.

Für den Markt bedeutet dies vor allem eines: verbindliche Nachfrage und damit belastbare Grundlagen für langfristige Abnahmeverträge und Investitionsentscheidungen.

„Mit der Verabschiedung und Umsetzung des Zweiten Gesetzes zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungs-Quote setzt Deutschland ein wichtiges Signal für regulatorische Verlässlichkeit und schafft den Startpunkt für einen industriellen Hochlauf des Wasserstoffmarktes”, sagt Johannes Thon, Geschäftsführer von European Energy Deutschland

„Durch die Umsetzung der europäischen RED-III-Richtlinie wird erstmals klar definiert, welche Mengen erneuerbaren Wasserstoffs künftig in Deutschland benötigt werden. Diese Verlässlichkeit ist entscheidend, um Investitionen in große Produktionsanlagen anzustoßen und erneuerbaren Wasserstoff durch Skaleneffekte langfristig wettbewerbsfähiger zu machen.“

Kassø zeigt industrielle Produktion von RFNBOs im kommerziellen Maßstab

Wie diese regulatorischen Anforderungen künftig praktisch erfüllt werden können, zeigt die Power-to-X-Anlage Kassø im dänischen Aabenraa.

Die Anlage, entwickelt von European Energy gemeinsam mit Mitsui & Co., produziert RFNBO-zertifiziertes E-Methanol auf Basis von grünem Wasserstoff aus erneuerbarem Strom und biogenem CO₂. Mit einer Produktionskapazität von rund 42.000 Tonnen pro Jahr zählt Kassø zu den ersten kommerziellen E-Methanol-Anlagen Europas.

Im Rahmen des deutschen Forschungsprojekts DeCarTrans wurden nun 86 Tonnen des in Kassø produzierten E-Methanols in der Großpilotanlage der TU Bergakademie Freiberg zu synthetischem Benzin verarbeitet. Dabei entstanden verschiedene Benzinqualitäten, darunter RON95 E10, RON98 E10 und RON102 – kompatibel mit bestehender Infrastruktur und bestehenden Fahrzeugen.

Die erfolgreiche Verarbeitung zeigt: E-Methanol kann nicht nur direkt als Kraftstoff genutzt werden, sondern auch als flexibles Zwischenprodukt für verschiedene erneuerbare Kraftstoffe dienen – darunter synthetisches Benzin oder Sustainable Aviation Fuel (E-SAF).

„Wir sehen E-Methanol als flexibles Zwischenprodukt, das für die Herstellung verschiedener Kraftstoffe eingesetzt werden kann. Dieses Projekt zeigt, dass die Produktion in Kassø auch die Weiterverarbeitung zu Kraftstoffen unterstützt, die mit bestehender Infrastruktur kompatibel sind“, sagt René Alcaraz Frederiksen, Head of Power-to-X bei European Energy.

Industrielle Skalierung für schwer elektrifizierbare Sektoren

Die Kombination aus regulatorischer Nachfrage, industrieller Produktion und bestehender Infrastruktur eröffnet erhebliches Skalierungspotenzial – insbesondere in Sektoren, die kurzfristig nicht direkt elektrifiziert werden können.

Dazu zählen unter anderem:

  • Raffinerien
  • Schifffahrt
  • Luftfahrt
  • Schwerlastverkehr
  • Chemische Industrie

Für industrielle Abnehmer entstehen dadurch neue Möglichkeiten, regulatorische Anforderungen zu erfüllen, CO₂-Emissionen signifikant zu reduzieren und gleichzeitig Versorgungssicherheit durch europäische Produktion zu stärken.

„Raffinerien können durch den Einsatz von in Europa produziertem erneuerbarem Wasserstoff ihre Abhängigkeit von fragilen globalen Lieferketten reduzieren, die Wertschöpfung ihrer Produkte steigern und gleichzeitig von Treibhausgaszertifikaten profitieren“, so Johannes Thon weiter.

Vom regulatorischen Signal zum industriellen Markt

Die Entwicklung zeigt deutlich: Europa bewegt sich beim Hochlauf erneuerbarer Moleküle von politischen Zielsetzungen hin zu konkreten industriellen Wertschöpfungsketten.

Mit der RED III entstehen verbindliche Marktmechanismen. Gleichzeitig belegen Projekte wie Kassø, dass die Produktion und Weiterverarbeitung von RFNBOs bereits heute technisch und industriell umsetzbar ist.

Mit zunehmender Größe und Anzahl industrieller Power-to-X-Anlagen werden Skaleneffekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette erwartet – von Elektrolyseuren über CO₂-Quellen bis hin zu Infrastruktur und Betrieb. Dadurch werden die Produktionskosten von E-Methanol perspektivisch deutlich sinken.

Für Investoren, industrielle Offtaker und strategische Partner eröffnet sich damit ein Markt mit wachsender regulatorischer Nachfrage, zunehmender technologischer Reife und langfristigem Skalierungspotenzial.